Baltic Rund – Teil 2: Byxelkrok/Öland nach Kirjalalahti

Mittwoch, 14. Juni 2006: Byxelkrok – Visby/Gotland 44,5 sm

Heute geht es mal früh raus! Man weiß ja nie, was so eine lange Strecke an Wind bringt und außerdem wecken uns die anderen im Hafen sowieso mit ihrem Geschraube. Bereits um 8.25 Uhr sind wir unterwegs uns segeln – erst noch langsam, dann immer schneller – an Öland vorbei und auf Gotland zu. Es ist mal wieder ein Segeltag, wie er im Buche steht. Sonne, 4 Windstärken und den Wind gemütlich von halb. Bereits nach 6 Stunden sind wir in Visby auf Gotland fest und bekommen einen tollen Platz im hinteren Hafeneck längsseits. War zwar nicht einfach anzulegen, aber am Ende hat es mit Bärengeduld und ständigem hin und her manövrieren doch noch geklappt. Nach einem Besuch im Hamnkontor um die Hafengebühr zu entrichten, einem netten Gespräch mit dem Hafenmeister und dem anschließenden Besuch beim Schiffsausrüster, geht es zum Sightseeing in die Stadt. Visby ist nach wie vor wunderbar! Eine herrliche Stadt, die man vom Flair her eigentlich eher im Mittelmeer vermuten würde. Und dann gibt es auch noch einen kostenlosen WLAN-Internetanschluss, so dass endlich einmal diese Seiten wieder aktualisiert werden können. Abends gehen wir lecker im Old Masters essen und schauen uns später das WM-Spiel Deutschland – Polen an. Freundlicherweise schaffen es unsere Jungs zu guter Letzt doch noch ein Tor zu erzielen und wir gewinnen 1:0. Glück gehabt!

Donnerstag, 15. Juni 2006: Visby 0 sm

Hafentag ist angesagt. Als erstes kommt die lästige Pflicht und es wird Wäsche gewaschen. Wir sind zum Glück die ersten und sind innerhalb einer Stunde mit dem Thema waschen und trocknen durch. Danach geht es mit einem gemieteten Motorroller zum Supermarkt einkaufen. Dem Tipp des Hafenmeisters folgend, suchen wir dazu das Södracenter auf und bekommen alles in gewünschter Ausfertigung und Anzahl. Nun ist Zeit für den Freizeitspaß. Wir nehmen den Roller und fahren Richtung Süden. Zwei Schiffssetzungen und ein Fischermuseum gilt es zu besichtigen. Doch zuerst steht der phänomenale Ausblick von Högklint auf dem Programm. Steil senken sich hier die Felsen ins Meer und man hat einen tollen Ausblick auf Visby. Nach 70 km sind wir wieder an Bord und genießen einen ruhigen Nachmittag. Mit einigen unsere „Mitsegler“ kommt man inzwischen auch ins Gespräch. So gibt uns das nette Ehepaar von der Fisher „Prinz“ aus Glücksburg wertvolle Tipps für Ventspils und Riga. Die deutschen Amerikaner Jürgen und Gitti von der HR 46 „Impromptu“ erzählen von ihren Langfahrterfahrungen und wir senden im Gegenzug ein paar Fotos von ihrem Schiff per Email rüber. So langsam kommt dann auch das Weltumseglerfeeling bei uns auf. Nun muss nur noch Schweden gegen Paraguay gewinnen und die Welt ist in Ordnung. Und tatsächlich Schweden gewinnt, quasi in letzter Minute, 1:0 gegen die Südamerikaner. Wir verfolgen das Spiel bei Yahoo online im Internet (tolle Kommentare) und akustisch über die Kneipe gegenüber. Nun muss nur noch Deutschland gegen Ecuador gewinnen und wir stehen den Schweden in der nächsten Runde gegenüber. Gut, dass wir dann in Lettland oder Estland sind!

Freitag, 16. Juni 2006: Visby – Lauterhorn 37,0 sm

Nachdem Axel morgens mit dem Roller Brötchen und ein paar Lebensmittel einkaufen gefahren ist, gibt es erstmal in aller Ruhe Frühstück im Cockpit. Es ist mal wieder Traumwetter und Visby zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wir müssen uns heute um unsere zweite Zeckenimpfung (gegen FSME) kümmern und Axel hat schon die Adresse vom örtlichen Krankenhaus rausgefunden. Also steigen wir nach dem Frühstück auf unseren treuen Roller und machen uns auf den Weg. Das Ganze gestaltet sich jedoch als nicht so einfach, wie vorgestellt. Erst ist das blöde Krankenhaus im Gewirr der Altstadtgassen nicht aufzufinden. Als wir es auf Nachfrage dann doch endlich erreichen, schickt man uns zur so genannten „Primärversorgung“ in ein anderes Gesundheitsinstitut. Dort angekommen, landen wir erstmal bei der falschen Dame. Wir lassen uns jedoch nicht abschütteln und schaffen es letztendlich doch noch bis zu Schwester Helena, die uns endlich unsere mitgebrachten Spritzen gibt. Was tut man nicht alles für die Gesundheit. Frisch geimpft geht es dann wieder zurück zum Schiff, wo wir den Roller beim Hafenbüro abgeben. Danach müssen wir noch mal kurz per pedes in die Stadt um ein paar Mitbringsel zu erstehen. Erst um 13 Uhr können wir uns so auf den Weg in den Norden machen. Ein herrlicher Segelwind aus Südwest bringt uns an der Küste von Gotland entlang. Spontan entscheiden wir uns, nicht wie geplant Faarösund sondern doch lieber Lauterhorn auf der Insel Faarö anzulaufen. Bei der Ansteuerung spielt unsere elektronische Seekarte völlig verrückt. Wir befinden uns eigentlich noch auf See, jedoch nach Karte schon mitten an Land. 200-300 m Abweichung sind das mindestens. Wenn einem so was mitten in den Schären passiert, kann das ganz schön schief gehen. Gut, dass wir noch Papierkarten dabei haben. Der Hafen erweist sich als kleiner als gedacht. Gut, dass noch keine Hauptsaison ist, sonst hätten wir wohl Schwierigkeiten hier einen Platz für Hello World zu bekommen. Kaum, dass die Leinen fest sind, kommt auch schon der Hafenmeister und verlangt 100 SEK als Preis für dieses Stück Natur pur. Strom kostet extra, aber die zwei Steckdosen sind eh schon belegt, so dass wir darauf für heute einmal verzichten. Gut auch, dass wir in Visby noch Wasser getankt haben. Den 750 l Tank hier aufzufüllen, hätte schon einiges an Kraft benötigt, da es nur eine Handwasserpumpe gibt. Der im Hafenhandbuch versprochene Strand ist für uns leider nicht begehbar. Hier brüten ein paar Möwen, die jeden Besucher sofort gnadenlos attackieren. Zum Schutz gegen die zahlreichen Mücken bauen wir diesmal unser Cockpitzelt mit Mückengittern auf. Tolle Sache! So können wir bis spät abends draußen sitzen und den Mücken eine lange Nase zeigen. Action gibt es dieser Einsamkeit dann auch noch für uns. Lauterhorn scheint Hauptstützpunkt der schwedischen Seenotretter auf Faarö zu sein und wird abends noch von einem Rettungshelikopter besucht.

Samstag, 17. Juni 2006: Lauterhorn – Faarösund 6,7 sm

Die Sonne kitzelt unsere Nasen schon beim Aufwachen. Leider hat sie jedoch inzwischen den Wind vertrieben und es herrscht völlige Flaute. Für den Moment ist uns das jedoch egal. Wir packen die Bordfahrräder aus und fahren in das nördlich vom Hafen liegende Raukargebiet. Diggerhuvud. Hier gibt es ein bizarres Felsengebilde nach dem anderen. An einer schönen Ankerbucht biegen wir ins Landesinnere ab und landen prompt auf der Ostseite von Faarö. So weit wollten wir unsere Fahrradtour eigentlich gar nicht ausdehnen. Kommt davon, wenn man immer nur nach Seekarte fährt. So bleibt uns nichts anderes übrig als zu Westseite zurück zufahren und am Ende haben wir über 20 km Strecke hinter uns gebracht. Nun müssen wir uns erstmal ausruhen. Also Leinen los und ab auf See! Leider herrscht immer noch Flaute, so dass wir mit Dieselgenua die gewaltige Strecke nach Faarösund zurücklegen. Im Fischereihafen legen wir mit Steuerbordbug längsseits an. Nun sind wir auch wieder fit für einen Stadtbummel und erkunden den kleinen Ort zu Fuß. Leider bietet Faarösund außer eine Fährverbindung nach Faarö und einem kleinen Supermarkt nicht wirklich viel (nicht mal Hafenmeister!). Aber als Absprunghafen nach Lettland reicht es alle mal.

Sonntag, 18. Juni 2006: Faarösund – Ventspils 88,7 sm

Da soll uns noch mal einer beneiden! Um 5 Uhr morgens klingelt der Wecker und bereits um 5:20 Uhr legen wir ab. Da wir nicht mitten in der Nacht in Lettland ankommen wollen, haben wir uns heute für das frühe Aufstehen entschieden. Leider sind jedoch die versprochenen 3-4 Bft. aus Süd um diese Uhrzeit noch nicht wach. So heißt es für uns erstmal unter Motor nach Osten fahren. Dem Frühstück auf See schadet das jedoch nicht. Immerhin bleibt so alles schön auf seinem Platz und man muss nicht aufpassen, dass einem die Wurst vom Brötchen rollt. Erst um 13:15 Uhr und nach 59,3 sm können wir dann endlich Segel setzen. Statt aus Süd kommt der Wind zwar aus Nordwest, aber wen stört das schon. Während wir nach dem täuschenden Hafenplan von Lauterhorn bedenken haben, ob wir in Ventspils überhaupt reinpassen, zeigt sich diese Sorge schon 10 sm vor dem Hafen als unbegründet. Der Hafen ist schon von weitem an seinen vielen Tanklagern und Kränen zu erkennen. Erst später finden wir heraus, dass Ventspils der größte Ölumschlaghafen im Baltikum ist. Der Yachthafen befindet sich hier in einem Teil des belebten Fischereihafens. Für Hello World ist schnell ein Plätzchen vor Heckboje gefunden, da sich auch hier noch nicht allzu viele Yachten aufhalten. Zum ersten Mal können wir heute auch endlich mal offiziell einklarieren. Unsere Pässe werden ordentlich beguckt und unsere Crewliste sauber abgestempelt. Belustigung ruft dabei wohl unser Bordstempel hervor, den wir säuberlich über Axels Unterschrift gestempelt haben. Unsere neuen Bekannten von der Fisher „Prinz“ sind auch da und geben uns Tipps für den Stadtrundgang am nächsten Tag. Auch wenn der erste Anblick von Ventspils recht abschreckend wirkt, wollen wir uns doch einmal die Stadt anschauen.

Montag, 19. Juni 2006: Ventspils 0 sm

Nach dem harten Schlag gestern schlafen wir heute bis in die Puppen aus. Hinzu kommt außerdem noch eine Stunde Zeitverschiebung, da wir inzwischen eine andere Zeitzone (MESZ +1) erreicht haben. Auf dem Weg in die Altstadt begegnen uns in Ventspils einige verwunderlich aussehende Kühe. Neben Reisekuh, lettischer Schwarzen und Blumenkuh, gibt es auch eine, die ziemlich wie ihren Geschwistern in Osterholz-Scharmbeck aussieht. Gibt es da wohl eine Verbindung? Auf dem Marktplatz erstehen wir erstmal frisches Gemüse und Erdbeeren für die Bordküche. Lustigerweise sind hier alle Waren mit völlig ungeraden Preise versehen. Wo kann man heute schon noch für 0,46 oder 0,83 etwas einkaufen. Die Innenstadt entpuppt sich als nett und aufgeräumt. Es gibt jede Menge Geschäfte, Restaurants und Kneipen. Auch wenn an einigen Ecken noch viel Arbeit drinsteckt, befindet sich die Stadt doch deutlich im Aufbruch. Nachdem wir völlig geschafft von unserem Stadtbummel zurückgekehrt sind, wollen wir noch dem Strand einen Besuch abstatten. Immerhin ist dieser mit einer blauen Flagge ausgezeichnet und das Wetter ist einfach einmalig für’s Badengehen geeignet. Kaum hinter den Dünen angelangt, bietet sich uns ein kilometerlanger Sandstrand vom Feinsten. Wir reißen uns die Kleider vom Leib und stürzen uns in die Fluten. Naja, eigentlich kommen wir auf Anhieb nur bis zum oberen Knöchelrand. Das Wasser ist eiskalt! Im zweiten Anlauf und mit zusammen gebissenen Zähnen kommen wir immerhin bis Oberkante Bauchnabel rein, aber dann reicht es auch mit der Selbstgeißelung. Bei der Wasserwacht sehen wir dann später, dass die Wassertemperatur hier nur 13,8° C beträgt. Das ist auch wirklich zu kalt zum Baden. Wieder an Bord muss ich mich erstmal in der Sonne aufwärmen. Axel bastelt derweil unter Deck herum und baut eine zusätzliche Lampe in der Küche ein. So kann es demnächst keine Beschwerden mehr geben, dass irgendwelche Sachen nicht gründlich genug abgewaschen wären. Abends gönnen wir uns dann ein nettes Essen im Hafenrestaurant.

Dienstag, 20. Juni 2006: Ventspils – Roja 73,4 sm

Schon wieder klingelt der Wecker um 5 Uhr in der Früh. Das Dumme am Baltikum ist wohl, dass es nicht wirklich viele Häfen gibt. Wir wollen heute nach Roja und kalkulieren auch hierfür wieder um die 70 sm. Der Wind mag uns heute auch wieder nicht wirklich. Große Strecken müssen wir unter Motor zurücklegen und wenn schon mal gesegelt werden kann, heißt es für uns Kreuzen. Zum Glück scheint dafür die Sonne wie gewohnt. Vor der Untiefe am Leuchtturm Kolka hat man uns zum Glück gewarnt, sonst wären wir hier wohl der Versuchung zum Abkürzen erlegen. Laut Seekarte reicht es hier mit 4,1 m bzw. 2,8 m bis dicht ans Ufer. In Wirklichkeit – und da war die elektronische Seekarte mal ausnahmsweise genauer – sind es jedoch gerade mal 0,4 bis 0,8 m Wassertiefe. Das hätte ganz schön gerummst. In Roja finden wir ein nette, wenn auch etwas zu kurz geratenes Plätzchen für Hello World am Ende des Hafenbeckens. Hier hat man für Yachten einen Schwimmsteg angebracht, der jedoch leider schon von zwei Yachten belegt ist. Da nur die rechte Seite für uns tief genug ist, muss nun ein Stück vom Achterschiff hinten überstehen. Bei dem ruhigen Wetter auch wirklich keine Gefahr. Auch Roja wird von einer belebten Fischereiflotte beherrscht. Wir beobachten vom Cockpit das emsige Treiben der anlegenden Kutter und begeben uns schließlich auf einen kleinen Stadtbummel. Direkt in Hafennähe gibt es einen Supermarkt, den wir erstmal entern. Das war es dann aber auch schon an Sehenswürdigkeiten, so dass wir schnell wieder an Bord sind. Vor lauter Sightseeing haben wir dann auch doch glatt das Fußballspiel Deutschland gegen Ecuador verpasst. Aber der Deutschlandfunk meldet später, dass wir 3:0 gewonnen haben. Nun heißt unser nächster Gegner also tatsächlich Schweden.

Mittwoch, 21. Juni 2006: Roja – Riga 69,1 sm

Auch wenn die Strecke nach Riga wieder verspricht ein langer Schlag zu werden, weigern wir uns heute wieder um 5 Uhr aufzustehen. So kommen wir erst nach einem ausgedehnten Frühstück um kurz nach 10 Uhr aus dem Hafen raus. Das Wetter scheint sich so langsam ändern zu wollen. Die Luft ist schwül und die Sonne brennt. Während wir anfangs kaum voran kommen, erwischen wir nachmittags einen schönen Wind aus Südost, der kurz vor Riga noch auf Stärke 5 aufdreht. Bei der Einfahrt nach Riga haben wir dann ein kleines Problem beim Aufrollen der Genua. Das Ding lässt sich einfach nicht wegdrehen. Ein Gang nach Vorne bringt die Lösung des Problems ans Licht. Der Schäkel vom Hals hat sich geöffnet und in der Rolle verklemmt. Wie auch immer so etwas passieren kann. Wir drehen erstmal ab und Axel repariert die Verbindung mit einem Strop. Einschäkeln lässt sich der Hals leider nicht mehr, da das Segel im Nu ein Stück nach oben gerutscht ist. Nach erfolgreicher Reparatur und dem Bergen der Segel geht es dann auf die lange Fahrt durch den Handelshafen von Riga. Ca. 7,5 sm motoren wir an Kränen, dicken Pötten und Containern vorbei. Dann haben wir es endlich in den Yachthafen Andrejosta geschafft, der seinem Namen auch tatsächlich gerecht wird. Hier liegen doch schon deutlich mehr Yachten im Hafen, als in den Häfen zuvor. Eine große Gruppe englischer Schiffe hat sich hier zum Cruising-Treffen versammelt, erklärt uns der freundliche Hafenmeister. Alle Schiffe sind über die Toppen geflaggt und bieten einen netten Anblick im Hafen. Wir schaffen es nach dem anstrengenden Tag gerade noch ein Brot zum Abendessen zu schmieren und müssen dann den Rest des Abends im Cockpit regenerieren.

Donnerstag, 22. Juni 2006: Riga 0 sm

Die alte Hansestadt Riga wollen wir uns natürlich ein wenig näher anschauen. Also machen wir mal wieder einen Hafentag. Nach einem stärkenden Frühstück geht es zu Fuß in die Innenstadt. Zwar droht am Himmel ein Gewitter, aber noch scheint die Sonne über uns. Auf dem Domplatz ist die Hölle los! Große Bühne, Fernsehkameras, jede Menge Leute. Alle tragen lustige Hüte und Kopfbedeckungen aus Blumen. Manche Menschen sehen gar so aus, als ob sie gerade ein Springchampionat gewonnen und nun ihren Lorbeerkranz um den Hals hängen hätten. Lustige Leute, diese Letten. Wie sich herausstellt, handelt es sich hierbei um die Feierlichkeiten zum Mitsommerfest. In Lettland feiert man da – wenn man schon mal dabei ist – gleich sechs Tage lang. Die Altstadt ist daher mit vielen Marktständen und Buden belegt, welche der Stadt ein nettes Ambiente geben. Wir laufen ziellos durch die Gassen und landen schließlich zum Mittagessen in einem netten Restaurant. In der Stadt ist es fast unerträglich heiß und so sind wir froh, dass wir draußen ein schönes, schattiges Plätzchen ergattern können. Danach geht es weiter durch die Stadt. Hier treffen wir doch tatsächlich auch noch vier alte Bekannte. Die Bremer Stadtmusikanten verbringen scheinbar ihren Urlaub hier in Riga und haben hinter der St. Petri Kirche Position bezogen. Womöglich ist Riga Partnerstadt von Bremen und wir wissen es nur mal wieder nicht. Zu Axels Freude können wir in einem Zeitungsladen doch tatsächlich Süddeutsche, Fokus und Wirtschaftswoche ergattern. Als wir nachmittags wieder an Bord eintreffen, werden diese dann auch erstmal eingehend studiert. Erst abends kommt dann das erwartete Gewitter, dann aber auch mit Macht. Der Wind pfeift durchs Rigg und der Regen prasselt an Deck. Schön, so regnet wenigstens mal der ganzes Staub und Dreck der letzten Wochen ab. Und morgen kann es dann ja auch wieder sonnig werden…

Freitag, 23. Juni 2006: Riga 0 sm

Auch in der Nacht regnet es was das Zeug hält. Schön, dass wir bei solchen Aussichten morgens einfach liegen bleiben können. Wir schlafen bis 10:30 Uhr aus und genießen dann ein gemütliches Frühstück (ausnahmsweise mal im Salon). Danach ist groß Reinemachen angesagt. Ich putze, staubsauge und wische, während Axel sich um Abwasch und ein paar kleine Reparaturen kümmert. Per Email von Torsten erfahren wir außerdem, dass Bremen tatsächlich Partnerstadt von Riga ist. Vielen Dank noch mal für den Hinweis! Nach der Arbeit werden, trotzt ein paar Regentropfen, die Fahrräder gesattelt und wir machen und auf den Weg in die Stadt. Heute wollen wir mal die Markthallen von Riga begutachten. In drei riesigen Hallen sind hier jede Menge feste Marktstände untergebracht. Man bekommt alles, von Gemüse, über Fleisch und Fisch bis hin zu Blumen. Allerdings sind die Markthallen ganz und gar nicht mit den mediterranen Märkten oder der alten Markthalle in Budapest zu vergleichen. Viel zu laut, unaufgeräumt und manche Fische sehen auch, als ob sie schon vor Wochen weg gemusst hätten. Aber vielleicht sind wir da auch etwas zu kritisch. Wir jedenfalls entschließen uns doch lieber im Supermarkt einzukaufen. Voll bepackt fahren wir wieder zum Schiff, wo eine weitere wichtige Aufgabe auf mich wartet. Nach süßem Schwedenbrot und trockenem Lettenbrot steht mal wieder Brotbacken auf dem Programm. Die Getreidemühle wird ausgepackt und Roggen, Weizen und Dinkel gemahlen. Dann noch alles schön würzen, mischen und mit Hefe versehen. Nach zwei Stunden duftet es dann verlockend im Salon und ein leckeres Vollkornbrot ist fertig. Da freut man sich doch schon aufs Frühstück!

Samstag, 24. Juni 2006: Riga – Salacgriva 51,4 sm

Ja, jetzt ist es dran, das frischgebackene Brot. Wir frühstücken mal wieder im Cockpit und freuen uns, dass die Sonne wieder da ist. Nachdem wir unser Hafengeld bei Wachdienst losgeworden sind (der Hafenmeister hat heute leider Feiertag), machen wir uns auf den Weg nach Salacgriva. Dies soll unser letzter Hafen in Lettland werden und wir hoffen auf einen netten Segeltag. Leider ist mit dem Auftauchen der Sonne jedoch auch mal wieder der Wind verschwunden. So heißt es für uns weite Strecken motoren. Erst nach 35 sm können wir die Segel für ein kurzes Stück zum Lüften rausholen. Doch auch dieses Intermezzo währt nur für 10 sm. Dann heißt es wieder motoren. Bäh! Der Hafen Salacgriva sieht von See aus auch nicht wirklich nett aus. Wir legen uns vor Heckboje an einen Mini-Steg und ich bin froh, dass die Herren von der „Seestern“ aus Seedorf mir mit den Vorleinen helfen. Der Steg ist nämlich so niedrig, dass ich ansonsten einen Absprung aus 2 m Höhe vom Bug hätte wagen müssen. Dummerweise hält auch mal wieder unser Heckbojenfanghaken nicht, so dass Axel dann auch noch mit dem Schlaucher raus muss, um eine Verbindung nach achtern zu bekommen. Nun heißt es schnell den Fernseher an, damit wir uns das Spiel Deutschland-Schweden noch angucken können. Leider zu spät für die zwei Tore, aber die zweite Halbzeit war ja auch nicht schlecht. Abends grillen wir zwei unserer leckeren Öländischen Lachskoteletts und genießen dazu Rote Bohnen – Kartoffelsalat. Mmmh. Bis die Sonne untergeht, genießen wir anschließend das Treiben im Hafen bei einem Gläschen Wein

Sonntag, 25. Juni 2006: Salacgriva – Pärnu 46,9 sm

Heute geht’s mal wieder ein wenig früher raus. Es scheint kaum Wind zu sein und wir beschließen das Frühstück auf nach dem Ablegen zu verlegen. Vorher müssen wir allerdings ausklarieren. Unsere Nachbarn haben den Zoll schon gerufen, so dass wir nicht erst eine 3/4-Stunde warten müssen, sondern gleich mit ausklarieren können. Auf See sieht es erst mal gar nicht so toll aus. Der Himmel ist grau und der kaum vorhandene Wind bläst kalt. Den Versuch zu Segeln geben wir nach 6 sm auf, da eine furchtbar chaotische See steht. Die alte Dünung überlagert sich mit dem neuen Wellenbild und der Wind reicht einfach nicht aus, um Hello World ordentlich hindurch zu bringen. Wir stampfen uns immer mehr fest und machen schließlich nur noch 2,5 kn Fahrt. Also, wieder mal die Dieselgenua raus und Kurs auf Estland. Nach dem Wechsel der Gastlandflagge kommt dann freundlicherweise auch der Wind und die Sonne wieder. So wird es am Ende doch noch ein schöner Segeltag. Wir sausen mit 7,5 kn auf Pärnu zu und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. In Pärnu angekommen, bietet sich ein völlig anderes Bild, als wir es in den letzten Tagen in Lettland kennen gelernt haben. Überall Segelyachten, Leben am Strand und ein moderner Yachthafen. Wir bekommen vom Hafenmeister einen netten Platz zugewiesen und auch hier muss ich zum Glück wieder nicht mit den Vorleinen an Land hopsen. Immerhin hatte ich mir diesmal schon vorsichtshalber die Bugleiter bereit gelegt. Kaum fest, kommt auch schon der Grenzschutz, der in mühevoller Kleinarbeit unsere Personalien aufnimmt und alle wichtigen Informationen notiert. Wir sitzen leicht grinsend daneben und halten Estland sogar für noch Formalienliebhabender als es Lettland war. Danach geht es auf einen Rundgang in die Stadt. Auch hier zeigt sich ein deutlich lebhafteres Bild als in Lettland. Überall Kneipen, eine Fußgängerzone und nett aussehende Menschen. Im Hafenrestaurant gehen wir heute mal auswärts essen und werden mit Schweinesteak und Bratkartoffeln bzw. Curryreis belohnt. Alles im allem nicht schlecht, aber auch nicht vergleichbar mit unserem Bordessen. Anschließend genießen wir die Sonne im Cockpit und beobachten, wie gegenüber am Kai ein Frachter mit Holz beladen wird. Romantische geht’s doch gar nicht mehr, oder?

Montag, 26. Juni 2006: Pärnu – Rohuküla 79,0 sm

So schön Pärnu auch ist, wir wollen weiter. Leider bietet die Estnische Küste für ein Schiff unserer Größe nicht allzu viele Hafenliegemöglichkeiten. Einzig Virtsu und Rohuküla kommen für uns in Frage. Nachdem wir bei Soenke Röver gelesen haben, dass Virtsu nicht wirklich groß und landschaftlich schon gar nicht empfehlenswert ist, entscheiden wir uns Rohuküla anzulaufen. Bis dahin sind jedoch noch einige Seemeilen zurück zulegen, so dass wir heute mal wieder früh aufstehen. Bereits um 5 Uhr (in Worten: fünf) klingelt der Wecker. Wer uns bisher um diese Reise beneidet hat, kann sich jetzt getrost zurücklehnen und das schöne Leben zu Hause genießen. Nicht nur, dass wir früh aufstehen müssen, nein auch das Wetter lockt uns erst mit Sonne aus dem Bett und schaltet dann spontan auf Einheitsgrau und Nieselregen um. Das der schöne Segelwind, dann auch noch zur Flaute mutiert, versteht sich an so einem Tag wohl von selbst, oder? Wir motoren also mehr, als dass wir segeln und fahren an der Insel Muhu und Virtsu vorbei. Der Blick durch’s Fernglas lässt erahnen, dass wir in Virtsu wirklich nicht viel versäumt hätten. Weiter geht es durch flache Gewässer, in denen irgendjemand tausende Steine versteckt hat, die nur darauf warten von einem ahnungslosen Boot getroffen zu werden. Wir meistern diese Gefahr bravourös und erreichen abends endlich unseren Traumhafen schlechthin. Wer noch niemals in Rohuküla gewesen ist, der hat die Welt nicht gesehen! Seit heute wissen wir so nette Häfen wie Bagenkop und Gedser erst richtig zu schätzen. Abgesehen von einem Fähranleger bietet der Hafen noch einen wackeligen Schwimmsteg, der bereits mit einer Yacht überfüllt ist. Da im Hafenführer steht, dass man sich auch an die Außenmole legen kann, machen wir das dann doch lieber. Es stellt sich allerdings als gar nicht so einfach heraus. Erstens ist der Wellenbrecher mit einer hohen Mauer versehen, zweitens gibt es nur wenige Eisenringe zum Festmachen und drittens sieht das Teil aus, als würde es im nächsten Moment zusammenbrechen. Zum Glück regt sich kein Lüftchen, so dass wir Hello World erst mit dem Heck, dann mit dem Bug an einen Eisenring heran manövrieren, um ein paar Leinen festzumachen. An Land zu kommen, daran ist nicht zu denken, es sei denn man ist Hobbykletterer und Kann aus dem Stand zwei Meter hoch springen. Egal, der Anleger klappt und Hello World ist sicher vertäut. Axel steigt auf die Reling und dann auf die Mauer, um den Weg an Land zu erkunden. Weit kommt er jedoch nicht. Unser „Steg“ ist nur über einen flachen Wellenbrecher mit dem Land verbunden, der aus einem nicht begehbaren Steinewirrwarr besteht. Außerdem muss man höllisch aufpassen, dass man nicht in eines der mannshohen Löcher fällt, die sich zwischen den Betonplatten auftun. Na ja, dann gehen wir heute Abend zur Abwechslung halt mal nicht in die Disco und bleiben an Bord. Immerhin bleiben wir auf diese Weise auch von Grenzkontrolle und Hafenmeister verschont.

Dienstag, 27. Juni 2006: Rohuküla – Tallinn 67,3 sm

In der Nacht hält uns ein nerviges Wellengetrommel am Heck wach und früh morgens schrauben sich die ersten Fähren in unsere Träume. Zudem ist der Himmel grau und regenverhangen, so dass man eigentlich gar nicht aufstehen mag. Aber was hält uns schon in Rohuküla?! Also raus aus den Federn, abgelegt und losgefahren. Da die Weiterfahrt zunächst durch eine sehr enge Rinne führt, starten wir erstmal unter Motor. Doch bereits nach 3 sm haben wir es satt und setzen stattdessen doch lieber die Genua. Ohne Grundberührung (die elektronische Seekarte sprach bei der Rinne abweichend von der Papierkarte von Stellen mit 1,8 m Tiefe) kommen wir auf offene See und können schließlich auch das Groß setzen. Da der Wind von achtern kommt, wird die Genua an Steuerbord ausgebaumt und Hello World gleitet Richtung Nordosten. Als dann auch noch die Sonne rauskommt, ist Rohuküla schon fast vergessen. Die nächsten Stunden bringen jedenfalls Segeln vom allerfeinsten. Sobald wir den Kurs ändern, dreht der Wind mit und wir können die ganze Strecke bis Tallinn Schmetterling segeln. Obwohl wir erst noch Lohusalu anlaufen wollten, entscheiden wir uns spontan weiter zu fahren, da der Wind am nächsten Tag auf Nordwest drehen soll. So kommen wir erst gegen 21.30 Uhr in Tallinn-Pirita, dem ehemaligen olympischen Segelzentrum, an. Nach einigen Runden im Hafenbecken erspähen wir dann auch noch einen tollen Liegeplatz mit dem Bug im Wind, so dass wir wenigstens heute keine Gehämmer an unserem Schlafzimmer ertragen müssen.

Mittwoch, 28. Juni 2006: Tallinn 0 sm

Ausschlafen!!! Danach herrliches Frühstück mit Ei! Mittags machen wir uns dann zur Erkundung der näheren Umgebung auf. An der Hauptstraße nach Tallinn-City finden wir einen tollen Supermarkt, den wir ohne zu zögern erst mal plündern. So können die Frischgemüse- und Obstvorräte endlich wieder aufgefüllt werden. Danach steht mal wieder Bordwäsche an. Doch hier in Tallinn brauchen wir uns nicht selbst an Waschmaschine und Trockner zu bemühen, sondern können die gesammelten Stücke bei der Reinigung am Hafen abgeben. Mal sehen, was dabei raus kommt. Immerhin befinden sich so wertvolle Stücke wie Axels Lieblingssweaty mit in dem Packen. Und was passiert, wenn der einläuft, mag ich mir gar nicht vorstellen. Danach wird noch der Schnapsladen ums Eck geplündert und einiges an Wein und Bier zur Verköstigung gekauft. Da es in Finnland und Schweden wohl schwer wird an diese Dinge zu kommen, wollen wir lieber hier ordentlich verproviantieren. Und da kann es ja nicht schaden schon mal vorher zu probieren, ob das Zeug auch schmeckt. Wer will schon auf 10 Paletten schalem Bier sitzen bleiben. Ja, und da es auch hier wieder mal Internetanschluss gibt, werden auch noch diese Berichte geschrieben und ins Netz gestellt. Am Abend können wir von unserem Logenplatz an Bord von Hello World noch die Zieleinfahrt der Mittwochsregatta beobachten. Mindestens 50 Schiffe nehmen teil und fighten bis zum letzten Moment. Bis in den Hafen bleibt der Spi oben und es wird um die letzten Meter gekämpft. Zum Glück schaffen es alle rechtzeitig wieder im Hafen zu sein, denn gegen 21 Uhr zieht ein heftiger Regenschauer über den Hafen hinweg. Danach genießen wir den herrlichen Sonnenuntergang und schmökern in der Literatur über Tallinn, um unseren Stadtrundgang am nächsten Tag vorzubereiten.

Donnerstag, 29. Juni 2006: Tallinn 0 sm

Auch heute schaffen wir es nicht wirklich früh aus den Federn. Erst gegen 10 Uhr gibt es ein kleines Sektfrühstück mit Alles. Also frische (Aufback-)Brötchen, Ei, Lachs, Wurst und Käse, Marmelade… Danach ist es auch schon 12 und wir können unserer Wäsche aus der Wäscherei abholen. Augenscheinlich scheint alles noch in gleicher Größe wieder abgeliefert worden zu sein, auch wenn das eine oder andere Teil nicht ganz sauber geworden ist. Anschließend steigen wir in den Hop-on-hop-off-Sightseeing-Bus und fahren in die Altstadt von Tallinn. Diese präsentiert sich bei strahlendem Sonnenschein im allerbesten Lichte. Durch verwinkelte Gassen, an alten Gemäuern vorbei und in das eine oder andere Lädchen führt uns unser Weg. Nach einem stärkenden Mittagessen auf dem Marktplatz geht es in die Oberstadt hinauf. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt, den modernen Gegenpart mit seinen Wolkenkratzern und man kann sogar Hello World im Hafen liegen sehen. Bei ca. 8 km Entfernung gar nicht so einfach, aber der Mast ragt doch ziemlich heraus. Zurück geht es wieder mit dem Sightseeing-Bus und wir können so noch ein paar außerhalb liegende Ecken von Tallinn sehen. Der Weg führt durch den Stadtteil Kadrovig, einem ehemaligen Badestädtchen, welches von Zar Peter I. gegründet wurde. Hier reihen sich schöne Holzvillen aneinander. Danach geht es zum Sängerpavillon, in dem alle fünf Jahre ein großes Chorfestival abgehalten wird. Die Esten sind trotz, oder gerade wegen ihrer geringen Bevölkerungszahl (nur ca. 1 Mio. Menschen spricht Estnisch) sehr stolz auf ihre Nationalität und Sprache. In der Vergangenheit wurde die Musik mehrfach zum Sprachrohr der Nation. Im Jahre 1988 fanden die Unabhängigkeitsbemühungen von der UDSSR ihren friedlichen Weg, indem täglich estnische Gesänge im Sängerpavillon vorgetragen wurden. Der Eindruck von Tallinn ist für uns ein ganz anderer als der, den wir in Riga bekommen haben. Estland scheint in weiten Teilen schon viel „Europäischer“ zu sein als Lettland. Es gibt eigentlich alles, was man von zu Hause aus kennt und die vielen neuen Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und Villen zeugen vom positiven Zukunftsgedanken der Esten. Weiter führt uns unsere Fahrt durch das Tal der Pirita. Der Fluss Pirita, an dessen Mündung unser Hafen liegt, fließt durch ein wunderschönes, geschlungenes Tal und steht unter Naturschutz. An Kiefernwäldern vorbei geht es dann zurück zum Hafen. Dort angekommen plündern wir erstmal den Schnapsladen. Die Bedienung ist begeistert und die Paletten Bier und Tüten Wein, die bei uns an Bord geladen werden, sollten eigentlich für den Rest der Reise reichen. Zumindest müssen wir voraussichtlich nicht in Finnland oder Schweden nachbunkern. Danach gibt es noch ein wenig Arbeit für uns. Die Ankerkette muss für die kommenden Schärenabenteuer noch markiert werden, damit wir auch immer wissen, wie viel Kette wir gesteckt haben. Außerdem verklemmt sich der Wasi-Ball – so eine Art Kugelgelenk für Anker – immer am Ankerschaft. Kurzerhand holt Axel die Bohrmaschine mit Feilaufsatz raus und schleift den Anker ein wenig rund. Nun lässt sich wieder alles gut bewegen. Den Abend genießen wir bei einem leckeren Südafrikanischen Weißwein im Cockpit und zu Axels großer Freude findet am gegenüber liegenden Ufer auch noch ein Bikinimodeshooting statt. Also, abschließend kann man sagen: Tallinn ist auf jeden Fall eine Reise wert!

Freitag, 30. Juni 2006: Tallinn – Helsinki 50,6 sm

Um 9:30 Uhr Ortszeit, also 8:30 Uhr MESZ, legen wir vorerst aus Tallinn-Pirita ab. Kaum fünf Minuten später legen wir allerdings auch schon wieder an. Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen und unseren Dieseltank noch einmal günstig füllen. Mit vollem Tank – knapp 415 l gingen hinein – geht es dann zur Border Control. Hier müssen wir mal wieder Crewliste, Stempel der Einreise und unsere Pässe vorzeigen. Dafür bekommen wir einen Ausreisestempel und können um 10:20 Uhr nun endgültig Tallinn verlassen. Der Wind weht zunächst flau aus SW, von den angesagten 3-4 aus Nord keine Spur zu sehen. Am besten nimmt man vom aktuellen Wetterbericht immer genau die Windrichtung, die gerade nicht angesagt wird. Alles andere kann man vergessen. Nach 30 sm ist es dann soweit, aus dem lauen Wind ist ein netter Vierer geworden und wir können endlich Segeln. Vorher war daran nicht zu denken, denn die zig vorbei sausenden Schnellfähren machen einen Schwell, der jegliche Segelversuche verhindert. Nachmittags erreichen wir nach 20 herrlichen Seemeilen endlich Helsinki. Zunächst müssen wir auf der Insel Suomenlinna bei der Passkontrolle halten. Auch hier gibt es wieder einen Stempel für uns. Somit sind wir dann offiziell in Finnland eingereist. Danach geht es auf die Suche nach einem geeigneten Liegeplatz. Das deutsche Hafenhandbuch hält sich da eher bedeckt mit seinen Angaben. Insbesondere Tiefenangaben scheinen für Helsinkis Häfen nicht immer vorhanden zu sein. In einem Nebensatz entdecken wir jedoch den „schönen, neuen Yachthafen an der Halbinsel Katajanokka“. Das finnische Gästehafenbuch, welches wir zum Glück noch bei der Taufe von Manni mitbekommen haben, bietet sogar einen passenden Plan dazu. Nur mit den Tiefenangaben hapert es auch hier. Wir kreiseln ein paar Mal um die Anleger herum, können jedoch nicht so das rechte Plätzchen für uns finden. Alternativ schauen wir uns daher noch den Nordhafen und den Inselanleger Blekholmen an. Ersterer scheint nur kleine Boxen zu bieten und der Zweite liegt zwar schön zentral, aber ist dem Schwell der etwa 20 m entfernt vorbeifahrenden Fähren schutzlos ausgeliefert (Und mit Fähren sind hier die richtig dicken Dinger gemeint – siehe Foto). Also, doch wieder zurück zum ersten Hafen. Jetzt sind wir frech und legen uns einfach längsseit auf einen reservierten Platz. Doch sogleich kommen freundliche Holländer und weisen uns darauf hin, dass dort allabendlich ein Zweimaster anlegen würde. Kurz entschlossen geht Axel zum Hafenmeister und fragt dort nach einem Platz für uns und klärt auch gleich die Hafentiefen ab. Nun bekommen wir einen schönen Platz an der Außenseite des Schwimmsteges zugewiesen und brauchen nur noch Hello World schnell zu verholen. Schnell deshalb, weil es inzwischen kurz nach 18 Uhr ist und dass Spiel Deutschland – Argentinien bereits angefangen hat. Der finnische Sender kommt gut und digital bei unserem Bord-TV an und wir schauen gespannt der deutschen Mannschaft zu. Zwar versteht man die finnischen Kommentare überhaupt nicht, doch beim Aufruf Yksi-Nolla wissen wir ganz genau, dass es jetzt ziemlich hart wird für uns. Doch auf Klose ist Verlass. Er schafft das Yksi-Yksi und wir fiebern und durch die Verlängerung. Die Spannung an Bord steig beim Elfmeterschießen unerträglich. Yksi-Nolla, Yksi-Yksi, Kaksi-Yksi, Kolme-Yksi, Kolme-Kaksi und dann das erlösende Neljä-Kaksi. Da tröten wir doch erstmal schön mit unserem Nebelhorn! Den gelungenen Abend runden wir bei einem Glas Wein im Cockpit ab. Begleitet werden wir dabei von Ulla und Klaus, die mit ihrer Southerly ebenfalls hier im Hafen liegen. Kurzerhand haben wir das Gespräch am Steg genutzt und die Beiden auf ein Glas Wein eingeladen. Der Abend dauert so etwas länger als sonst, auch wenn man die späte Stunde hier in Helsinki nicht merkt. Selbst um 12 Uhr nachts ist es noch taghell!

Samstag, 1. Juli 2006: Helsinki 0 sm

Erstmal ausschlafen! Axel macht sich auf den Weg um frische Brötchen zu holen, braucht jedoch ungefähr eine Stunde, um diese auch zu bekommen. Nach dem Frühstück im Cockpit geht es dann auf Sightseeing- und Shoppingtour. Zuerst wird der Marktplatz Kauppatori begutachtet. Hier gibt es von Obst und Gemüse, über Fisch und Fleisch, bis hin zu kitschigen Mitbringseln, alles, was das Herz begehrt. In der alten Markthalle Wahna Kauppahalli, die noch aus der Zarenzeit stammt, wird es noch besser. So lecker dargebotene Speisen findet man selten. Nach dem doch eher unansprechenden Nahrungsangebot im Baltikum, können wir uns hier kaum zurück halten. Doch den Großeinkauf verschieben wir lieber auf Montag, da wir heute Abend Essen gehen wollen. Die Prachtstraße Esplanadi geht es weiter hinauf. Hier reihen sich nette Geschäfte, Bars und Cafes aneinander. Wir bleiben in der Akademischen Buchhandlung hängen und können unsere Bordbibliothek um das eine oder andere Buch ergänzen. Selbst deutsche Bücher gibt es hier in breiter Auswahl! Am Ende der Tour machen wir noch kurz bei dem Designshop von ittala halt und erstehen für Hello World neue Weingläser. Bereits fünf Stück sind uns bisher auf der Reise von unseren bisherigen Gläsern kaputt gegangen. Nicht etwa, weil wir zu stürmisch gesegelt wären, oder ständig welche herunter geschmissen hätten. Nein, der kleinste Tick an den Stiel sorgt dafür, dass sich Kelch und Stiel sang und klanglos an der Nahtstelle trennen. Dabei sahen die guten Stücke eigentlich auch recht stabil aus. Am Abend gönnen wir uns dann mal wieder ein Essen auswärts. Direkt ums Eck gibt es ein nettes Restaurant, in dem wir Schnecken, Tapas, gegrillten Lachs und einen Hamburger verzehren. Dazu ein Fläschchen Wein und schon kostet der Spaß 87,- Euro!!! Den restlichen Abend verbringen wir dann doch lieber wieder mit Bordwein und schauen uns die völlig hemmungslosen und besoffenen Finnen im Hafen an. So manch eine Yacht verlässt da doch lieber ihren angestammten Platz und versucht dem Trubel zu entkommen. Wir liegen zum Glück am Ende des Steges und haben unserer Ruhe.

Sonntag, 2. Juli 2006: Helsinki 0 sm

Nach einem herrlichen Frühstück mit leckerstem, von Axel zubereiteten Krabben-Krebs-Salat werden heute mal die Fahrräder rausgeholt. Wir fahren immer am Wasser entlang und erkunden auf diese Weise auch die Außenbezirke von Helsinki. Dabei kommen wir auch tatsächlich an einer Teppichwaschanlage vorbei. Auf einem Steg mit Tischen und Bänken schrubben zahlreiche Familien mit Wurzelbürste und Kernseife ihre Flickenteppiche. Gut, dass wir bei der Hitze da nicht mitmachen müssen. Der Rückweg führt durch das Zentrum und entlang des „klassizistischen Ensembles“ von Dom und Senatsplatz. Hier führte der deutsche Architekt Carl Ludwig Engel maßgeblich Regie und schuf so in den Jahren 1820 bis 1850 einen der schönsten Plätze Europas. Am Ende fahren wir noch an den Kreuzfahrern Deutschland und Aidacara vorbei zu dem Sommerliegeplatz der finnischen Eisbrecherflotte an der Halbinsel Katajanokka. Diese wird übrigens von feinsten Jugendstilhäusern geprägt und vermittelt in der Großstadt eine wunderbare, ruhige Atmosphäre. Zurück an Bord heißt es für mich mal wieder Bügeln, während Axel Fahrradpflege und Aufräumarbeiten verrichtet. Abends gibt es leckeren Salat mit einem unserer Ölandlachsfilets, welchen wir bei immer noch herrlichem Sonnenschein im Cockpit genießen. Der Abend verläuft „wie immer“. Wir sitzen bis spät um Zwölfe im Cockpit und genießen die herrliche Abendstimmung.

Montag, 3. Juli 2006: Helsinki – Bockfjärden 22,4 sm

Nach dem Frühstück heißt es erstmal Geld besorgen. Gar nicht so einfach in Helsinki. Auf der Suche nach einem EC-Automaten werden wir irgendwie nicht fündig. Bis, ja bis wir herausfinden, dass EC-Automaten hier Otto heißen (kein Scherz!!!). An einem Otto in der Innenstadt bekommen wir das Ersehnte und können nun Einkaufen gehen. In den Markthallen erstehen wir Graved Lachs und Eier, auf dem Markt frisches Gemüse und im Supermarkt schließlich eine neue Spülbürste nebst Spülmittel. Danach werfen wir die Leinen los und machen uns auf ins Südfinnische Schärenmeer. Leider weht der Wind – zwar kräftig – aus Südwest und wir können auf unserm Kurs nach Südwest nicht wirklich segeln. Jedenfalls trauen wir uns nicht! Denn außerhalb des Fahrwassers warten wieder viele Steine auf uns, die wir auf keinen Fall treffen wollen. Macht nix, nach 22,4 sm haben wir unsere persönliche Traumankerbucht erreicht. In Bockfjärden liegen zwar schon zwei Yachten, beide aus Deutschland, aber das stört uns nicht weiter. Stutzig macht uns, dass so nach und nach immer mehr deutsche Yachten neben uns Ankern. Und alle kommen sie aus Deutschland! Gibt es da etwa einen neuen Ankerführer Finnland, von dem wir mal wieder nichts wissen? Vor Anker liegend, packen Axel die Hummeln im Hintern und er fängt an sein Tiefschnorchelgerät FreeDiver auszupacken. Nach etwa drei Stunden ist es dann soweit. Axel steckt im Neopren und kann endlich abtauchen. Abends werfen wir unseren Bordgrill an und schmoren uns zwei lecker marinierte Hähnchenbrustfilets aus Helsinki. Was gibt es schöneres im Leben, als in einer einsamen Bucht zu liegen und bei sommerlichen Temperaturen zu grillen? Na ja, gut, ganz so einsam vielleicht nicht, da am Ende neun deutsche und eine finnische Yacht die Bucht bevölkern.

Dienstag, 4. Juli 2006: Bockfjärden – Sundsören 39,5 sm

Nun gut, wer spät ins Bett geht, muss auch lange ausschlafen. Also geht bei uns erst um 11:25 Uhr der Anker auf und wir machen uns auf den Weg nach Westen. Für ein kurzes Stück können wir heute mal Segeln und brechen auch direkt alle Geschwindigkeitsrekorde. Herzinfarktgefährdet geht es mit 8, 9 und schließlich 10 kn durch die Schären. Gut, dass wir das nicht Pantaenius erklären müssen. Wir schaffen es alle Steine zu umschiffen und müssen am Ende doch wieder motoren. Unsere Ankerbucht, die wir uns für heute ausgesucht haben, stellt sich leider als nicht soo toolll heraus. Also weiter im Text, bis wir schließlich zwischen Björnholmen und Sundsören vor Anker gehen können. Wenn das mal nicht passt! Björnholmen, die Bäreninsel, sieht aus wie ein riesiger Bärenfußabdruck. Da fühlt Axel sich gleich zu Hause! Das Wasser hat inzwischen deutliche Badetemperaturen erreicht. 22,8° C zeigt unser Bordthermometer. Da heißt es natürlich für uns: Ab ins Nass. Während ich es gerade mal bis zum Bauchnabel rein schaffe, schwimmt Axel ein paar Runden ums Schiff. Dabei wird auch gleich der Wasserpass ein wenig gesäubert. Die Spuren von Sonwik (schmieriges Wasser), Kopenhagen (etwas ölig) Lettland und Estland (braune Brühe) müssen ja auch endlich mal beseitigt werden. Nach mexikanischen Tacos mit Guacamole schauen wir uns das Fußballspiel Deutschland gegen Italien auf unserem Bord-TV an. Der Digitalsender hat leider immer wieder Aussetzer, was wohl daran liegt, dass Hello World vor Anker hin- und herschwoit. Mit dem terrestrischen Sender sind wir wohl besser dran und müssen uns so das ganze Drama anschauen. Am Ende gewinnt Italien verdient mit 2:0 und wir hoffen, dass Deutschland weiterhin ein toller Gastgeber bleibt.

Mittwoch, 5. Juli 2006: Sundsören – Kasnäs 45,7 sm

Der Morgen beginnt mit einem Sprung (Axel) bzw. einem seichten Abtauchen (Brit) ins kühle Nass. Danach trocknen wir erstmal ausgedehnt in der Morgensonne, bis wir uns zum Frühstück ein wenig Müsli, Orangensaft und Kaffee gönnen. Um 11:35 Uhr geht der Anker auf und wir motoren munter durch die Schärenwelt. Bis Hanko widersprechen sich Windrichtung und Kurs leider derart, dass wir nicht zum Segeln kommen. Macht aber nix, denn es sind ja nur 18 sm zu motoren. Leider erweist sich Hanko zwar als das Segelmekka Finnlands, jedoch gleichzeitig auch als sehr Gastunfreundlich. Auf der Suche nach einem Liegeplatz wird der schöne Längsseitsplatz von 20 m Länge erst rücksichtsvoll vor unserer Nase von zwei 7 m Motorbooten belegt. Dann bekommen wir vom Hafenmeister am nächsten Liegeplatz auch noch die Ansage, dass dieser Platz nur für „Competition Boats“ sei. Einen anderen Liegeplatz könne er uns leider nicht anbieten und der nächste Hafen sei auch schon belegt. Auf die Frage, wo wir denn eventuell liegen könnten, folgt nur ein Schulterzucken. Sehr nett! Wir kehren dem wuseligen Hafengewirr den Rücken und fahren einfach weiter. Dann hat es sich halt mit „schönster Blick vom Wasserturm“, tollen Einkaufsmöglichkeiten usw. Dafür können wir nun endlich die Segel setzen und rasen mit 9,5 kn durch die Inselwelt. Am Ende landen wir in Kasnäs, einem Hafentipp, den wir mal wieder bei Sönke Röver entnommen haben. Wir bekommen einen tollen Liegeplatz vor Heckboje, genießen ein leckeres Abendessen im Restaurang (ja, so schreibt man das hier) und werden abends noch vom Nachbarboot mit nettester Livemusik (jazziges Schifferklavier) versorgt. Leider tauchen hier auch die ersten Mücken auf, so dass wir heute schon mal etwas früher unter Deck verschwinden.

Donnerstag, 6. Juli 2006: Kasnäs – Hummelören 18,7 sm

Nach einem kurzen Ausflug zum Schärenmeer-Informationszentrum fahren wir mittags weiter Richtung Norden. Leider waren die Informationen nur auf Finnisch, so dass wir uns mit dem Anschauen der Bilder, Grafiken und Modelle begnügen mussten. Immerhin konnten wir ein paar deutsche Infobroschüren ergattern, so dass wir wenigstens einige Infos später nachlesen können. Für heute haben wir uns die Schäre Gullkrona als Tagesziel ausgesucht. Mit herrlichem Wind und bei strahlendem Sonnenschein, vergehen die paar Meilen wie im Fluge. Leider ist der Hafen bereits nachmittags um drei proppevoll gefüllt, so dass wir mal wieder keinen Platz an den Stegen bekommen. Kurz entschlossen fahren wir einfach ein paar Meter weiter und werfen vor der Schäre Hummelören unseren Anker aus. Hier liegen wir einsam und wunderschön in herrlicher Natur. Das Wetter und die Wassertemperatur laden geradezu zum Baden ein. Also rein ins Nass und schön geplanscht. Während ich mit meinem Ganzkörperbadeanzug die Temperatur immer noch zu kalt finde, ist sie für Axel gerade richtig. Beim Schnorcheln stellt er erstaunt fest, dass unserer Schraube bereits die Zinkanode fehlt. Nun kann er endlich seinen Freediver im ersten Reparatureinsatz ausprobieren. So lässt sich die Ersatzanode schnell und unproblematisch anbringen. Gleichzeitig taucht Axel noch die Ankerkette ab und stellt fest, dass sich unser Anker bis zum ersten Kettenglied tief in den Schlamm eingegraben hat. Abends grillen wir leckere Lammfilets mit Grillkartoffeln und Tzaziki. Danach genießen wir wie gewohnt die Abendsonne im Cockpit und freuen uns des Lebens.

Freitag, 7. Juli 2006: Hummelören – Kirjalalahti 34,7 sm

Statt der morgendlichen Dusche gibt es bei uns vor Anker ein kurzes Bad in der Ostsee. Während Axel wie gehabt im Sprung hinein hechtet, brauche ich etwas länger und gleite langsam Stufe für Stufe der Badeleiter hinab. Unten angekommen ringelt sich sehr zu meinem Schreck diesmal etwas schlangenartiges um meinen Fuß. So schnell wie Axel sonst rein hechtet, springe ich diesmal hinaus. Scheinbar hat sich eine Wasserschlange unsere Teakstufen als warmen Aufenthaltsort ausgesucht und fühlt sich durch mich gestört. Nun gut, ich kann auch aufs Baden verzichten. Beim Blick auf die Fischbestimmungskarte stelle ich dann später doch etwas beruhigt fest, dass es sich um eine so genannte Grasnadel und keine Schlange gehandelt hat. Puh, aber Baden gehe ich vorsichtshalber doch nicht mehr. Unserem Törnplan sind wir zwar einen Tag voran, jedoch stört uns das gar nicht, denn so können wir einen Tag länger als geplant in Turku verbringen. Hier steht für uns das Ruisrock-Festival auf dem Programm, welches einmal jährlich auf der vorgelagerten Insel Ruisallo stattfindet. Von Freitag bis Sonntag spielen hier neben namhaften Bands wie The Cardigans oder Them auch die Monsterrocker von Lordi. Wir sind gespannt! Mit wechselnden Winden – mal an, mal aus – geht es Richtung Norden. Wir wechseln beständig Dieselgenua und Rollsegel gegeneinander aus und erreichen so nachmittags Turku. Bei der Anfahrt wundern wir uns etwas, dass man von dem Rockfestival noch gar nichts hören kann. Komisch, haben wir uns etwas im Termin geirrt? Doch dann kommt schließlich eine Bühne in Sicht und die Ansage verkündet den Beginn des Festivals. Aha, also doch nicht geirrt. Was dann folgt, lässt uns allerdings sofort das Blut in den Adern gerinnen. Obwohl wir unter Motor unterwegs sind, ist dieser plötzlich nicht mehr zu hören. Schuld daran ist der ohrenbetäubende Baulärm, der vom Festivalplatz zu uns herüber weht. Wir müssen uns im Cockpit anschreien, um uns noch miteinander verständigen zu können. Nein, also so hatten wir uns das nicht vorgestellt! Zum Glück liegt der Hafen von Turku ein Stück weiter, so dass man hier vom Festival nichts mehr hört. Zu unserem Pech ist er aber bereits so rappelvoll, dass wir auf den ersten Blick keinen Liegeplatz mehr für uns entdecken können. Auf den zweiten Blick macht jedoch eine Swan für uns Platz und rückt ein Stück nach vorne. Die entstehende Lücke passt zwar hervorragend für uns, doch schon kommt der Hafenmeister und erzählt uns, dass der Platz reserviert ist und wir im Zweifelsfall dort wieder weg müssten. Unentschlossen sitzen wir nun erstmal im Cockpit. Die Sonne brennt uns derweil derart auf die Köpfe, dass wir uns schon nach kurzer Zeit ganz ausgedörrt vorkommen. Gleichzeitig schießen die Ausflugsboote, Fähren und Motorbrummer an uns mit Highspeed vorbei, so dass wir im Schwell hin und her geschaukelt werden. Nein, so hatten wir uns das ganz bestimmt nicht vorgestellt! Am Ende siegt der Wunsch nach Ruhe und wir machen die Leinen wieder los. Nur fünf Seemeilen entfernt finden wir unsere persönliche Traumbucht und werfen mal wieder unseren Anker aus. Hier herrscht vor allem eins: Ruhe!!! Keine andere Yacht hat sich diesen windgeschützten Ort ausgesucht, so dass wir mal wieder einzige Yacht in der Bucht sind. Da das Wasser inzwischen noch wärmer geworden ist, können wir uns auch ganz ungehemmt darin abkühlen. Wer hätte schon gedacht, dass Bimini und Badehose in Finnland die meist benutzten Teile an Bord werden würden?

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